Nach dem Schulbusunglück in Thüringen – Erklärungsnot

Bild von S. Hermann & F. Richter auf Pixabay

Das schwere Busunglück in Thüringen führt auch in anderen Bundesländern zu heftigen Diskussionen in Sachen Anschnallpflicht für Kinder. Was vom Verstand her logisch und eigentlich anzuwenden  ist, scheitert in der Realität an Beförderungssatzungen, den entsprechenden Verordnungen, vermeintlicher Finanzknappheit der Landkreise und Behörden und manchmal auch an Gleichgültigkeit.

Werden die Schüler in Reisebussen befördert, so gilt grundsätzlich , dass jedes Kind Anrecht auf einen Sitzplatz hat, welcher mit Sicherheitsgurten ausgestattet ist. Dass Letzteres überall vorhanden und umgesetzt wird, stellen Eltern und Jugendliche immer wieder in Frage.

Aus Kostengründen wird jedoch der Schülerverkehr vielerorts mit Linienbussen der Verkehrsbetriebe durchgeführt. Hier wiederum gibt es keinen Anspruch auf Sitzplätze, sondern je nach Landkreis wird definiert, ab wann ein Linienbus im Schülerverkehr als voll besetzt gilt.  Erkärt wird das auf der Frage-Antwort-Seite des Busforums.

Gleichzeitig wird das ganze Dilemma sichtbar, in welchem sich Behörden, Eltern, Kinder und nicht zuletzt die Buschauffeure befinden.

Wann ist ein Bus überfüllt?
In Schulbussen dürfen nur so viele Personen befördert werden, wie dies im Fahrzeugschein ausgewiesen ist. Die Personenzahl umfasst sowohl Sitz- als auch Stehplätze. Die nicht als Stehfläche erlaubten Plätze müssen als solche ausgewiesen sein. Hierzu zählen z. B. die Trittstufen der Ein- und Ausstiege. Die zugelassene Fahrgastanzahl kann jeder Fahrgast an einem Schild ablesen, welches im Fahrzeug vorne beim Fahrer angebracht ist. Trotz Einhaltung dieser Vorgaben werden Schulbusse hin und wieder von Eltern und Schülern als überfüllt empfunden. Man muss jedoch bedenken, dass die Busse in der Regel nicht für den gesamten Fahrtweg, sondern nur für einen Teilabschnitt mit der maximal zugelassenen Personenanzahl besetzt sind. Die gewünschte Sitzplatzgarantie ist von den Kommunen leider nicht finanzierbar. Alle Busse im Linienverkehr, bei denen auch die Stehplätze in Anspruch genommen werden, dürfen maximal 60 km/h fahren. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit im Linienverkehr außerhalb geschlossener Ortschaften auf Landstraßen beträgt für Kraftomnibusse 80 km/h, wenn für alle Fahrgäste Sitzplätze zur Verfügung stehen.

Die Realität ist eine Andere

Was hier vermeintlich einleuchtend und beruhigend erklärt wird, schaut in der Realität völlig anders aus. Schon mal eine Vollbremsung mit 40 km/h erlebt? Der Linienbus, ausgestattet mit 31 Sitzplätzen ist zugelassen für 105 Passagiere, bis zu 74 Kinder könnten also stehen  und verwandeln sich bei abrupten Bremsmanövern schwerkraftmäßig in Geschosse. Festhalten hilft da nur noch  beschränkt. Gerade im Harz mit seinen Kurven und Gefällestrecken sind diese Stehplätze ein Dauerthema.

Vollbremsung 1

Vollbremsung 2 

Erklärungsversuche :“Die gewünschte Sitzplatzgarantie ist von den Kommunen leider nicht finanzierbar.“ Oder:“ Alle Busse im Linienverkehr, bei denen auch die Stehplätze in Anspruch genommen werden, dürfen maximal 60 km/h fahren“. . ..sind da keine Hilfe, im Gegenteil. Sie sind ein Mangel an Wertschätzung.

Diese Diskussion wird bei jedem weiteren Vorfall erneut aufflammen, so lange, bis Kindern die Sicherheit zugestanden wird, welche beispielsweise in Canada alltäglich ist:

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